Freitag, 23. November 2012

Eigene moralische Vorstellungen gegen gesellschaftlichen Normen


Woran machen die Menschen ihr Wertesystem fest? An ethischen Prinzipien, wie dem, dass es möglichst vermieden werden sollte, Tieren Leid zu zufügen? Oder an gesellschaftlichen Normen und Werten? Oder doch an der Anerkennung Anderer?

Nach welchen Kriterien ein Mensch eine moralische Entscheidung trifft, hängt von der jeweiligen Entwicklungsstufe* dieser Person ab. Und genau da sehe ich die Schwierigkeit. Wie soll man jemandem, der die Normen einer Gesellschaft streng verinnerlicht hat, erklären, dass das, was ein Großteil der Menschen tut, zu furchtbarem Leid führt und er seinen Lebensstil ändern sollte? Wie kann man jemandem, der sich an der Anerkennung Anderer orientiert, den Veganismus näher bringen und ihm damit sagen, dass seines nicht das Kriterium ist, nach dem er handeln sollte und es besser wäre, wenn er etwas täte, wodurch er auf Unverständnis in seinem Umfeld stößt? Welche Argumente für Veganismus gibt es überhaupt auf diesen Ebenen?

Viele Leute reflektieren nicht selbst über Normen und Werte und versuchen ihre eignen zu finden, sondern verinnerlichen vollständig jene der Gesellschaft, in der sie leben. Aber es gibt auch durchaus viele Leute, die es eigentlich richtig finden, vegan zu leben oder fair gehandelte Kleidung zu tragen, und es trotzdem nicht tun.

Ich bezweifle, dass das wirklich immer Demotivation ist und denke, dass das vielleicht auch einfach damit zusammenhängt, dass es diesen Personen schwerfällt, etwas zu tun, das von einigen Menschen nicht akzeptiert wird. Natürlich fällt es dann leichter, zu sagen “Ich würde das ja auch gerne machen, aber ich könnte auf Fleisch/Milch/was auch immer niemals verzichten” als “Ich würde mich das nie trauen”. Ich kann nicht leugnen, dass es oft schwierig ist. Eigentlich hatte ich nie ein wirkliches Problem mit dem “Verzicht”, falls man das überhaupt als solchen bezeichnen kann, sondern viel mehr mit den Reaktionen auf meine Lebensweise. Selbstbewusstere Menschen haben da sicherlich weniger Schwierigkeiten mit und meine Sorgen sind sicherlich auch oft unberechtigt, meine Probleme oft keine echten. Dennoch habe ich sie – genau so wie viele andere Menschen auch.

So fallen auch vielen Menschen die gesellschaftlichen Normen in den Rücken bei ethischen Entscheidungen. Wer fällt ihnen damit in den Rücken? Die Leute, die sich ausschließlich an den gesellschaftlichen Werten orientieren ohne diese zu reflektieren und es nicht nachvollziehen können, dass manche Menschen anders denken und ihre eigenen Ansichten zu bestimmten Themen haben. Leute, die gesellschaftliche Normen voll und ganz aufgenommen haben, unsere Denkweise näher zu bringen, ist vermutlich besonders schwierig. Aber man sieht – es gibt immer mehr Veganer ;)

* nach dem Modell zur Moralentwicklung Kohlbergs

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