Freitag, 26. Oktober 2012

Stell dir einmal vor

Stell dir einmal vor, du kommst in ein fernes Land. Die Leute dort ernähren sich ganz anders als du. Vor allem trinken sie gerne ein dir bisher völlig fremdes Getränk. Sie sind ganz verliebt in es. Sie können sich gar nicht vorstellen, dass du es nicht kennst und ohne es leben kannst.

Du wirst natürlich neugierig und willst es auch einmal probieren. Etwas unschlüssig noch betrittst du eine Art Bar und fragst, ob du es dort bestellen kannst. „Selbstverständlich“, antwortet dir der Kellner und bringt dir daraufhin ein großes Glas davon. Du probierst. Der Geschmack ist zwar völlig neu für dich, aber du magst es. Der Kellner sagt, dass du es auch in anderen Geschmacksrichtungen bestellen kannst. Du antwortest, dass du das sicher auch einmal probieren wirst, aber es schmeckt dir so wirklich hervorragend. Du trinkst weiter und langsam beginnst du, dir die Frage zu stellen, was du da eigentlich trinkst. Tee vielleicht? Es ist ziemlich anders als die Tees, die du kennst. Vielleicht ist es doch eher Saft. Ja, wahrscheinlich ist es Saft. Du beschließt, einfach den Kellner zu fragen. Er schmunzelt und antwortet, dass es das Düsensekret eines ganz besonderen Tieres ist, welches hier gezüchtet wird. Das wirkt auf dich sehr befremdlich, aber auch irgendwie selten und teuer. Aber Moment – wie kann es das dann hier in dieser Masse zu einem niedrigen Preis geben? Du fragst nach. „Tatsächlich könnte es eine Rarität sein“, meint der Kellner, „aber wir verstehen es, es in möglichst großen Massen und zu niedrigen Preisen zu produzieren.“ „Und wie das?“, fragst du verwundert. „Nun, da gibt es viele Möglichkeiten. Zunächst muss man möglichst viele Tiere auf möglichst engem Raum halten und bei der Wahl, welche Tiere man hält, sehr wachsam sein.“ Du wunderst dich darüber und fragst nach dem Grund. „Nun, es hängt von vielen Faktoren ab, wie viel Sekret du von einem Tier gewinnen kannst. Wir halten nur Tiere, die so gezüchtet sind, dass sie möglichst große Drüsen haben, aus denen viel Flüssigkeit heraus kommt. Ferner hängt die Menge des Sekretes auch mit dem Hormonspiegel zusammen. Am geeignetsten sind hier Weibchen, die vor kurzem ein Junges zur Welt gebracht haben. Deshalb töten wir die Männchen schon, bevor sie das Erwachsenenalter erreicht haben und sorgen dafür, dass die Weibchen quasi dauerhaft schwanger sind. An dieser Stelle ist es wichtig, kein Mitleid zu haben, denn die Weibchen können sich nicht um ihren Nachwuchs kümmern, da wir sie zur Produktion unseres Sekretes brauchen. Also nehmen wir ihnen ihre Kinder weg, ganz egal, ob sie diese lieben, und, ob diese sie brauchen, töten die männlichen bald und nehmen die weiblichen für unsere Sekretproduktion.“

Du bist ganz entsetzt, wie man so mit diesen Tieren umgehen kann. Du kannst nicht nachvollziehen, warum sie alle so vernarrt in dieses Lebensmittel sind. Du fragst dich, wie man nur so grausam sein kann. Kein Lebensmittel der Welt kann das wert sein.

Der Kellner reißt dich aus deinen Gedanken und fragt, ob du noch etwas trinken willst. Willst du das? Sicher nicht. Du lehnst ab. Du fragst, wie man so etwas trinken kann. Das ist doch entsetzlich. Der Kellner ist verwundert über deine Reaktion und antwortet, dass das ganz doch normal ist, und, dass Milch ja so gut schmeckt.

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