Freitag, 1. Juni 2012

Warum ich kein Leder konsumiere

Wie ihr sicher wisst, konsumiere ich kein Leder. Wieso? Darüber möchte ich heute genauer schrieben.
Das Paradoxe ist, dass auffällig viele Leute sich gegen Pelz und auch gegen exotisches Leder aussprechen. Ihnen tun die Tiere leid. Aber bei gewöhnlichem Leder ist dies nicht der Fall. Meine Theorie hierzu ist aber nicht, dass dies der Fall ist, weil Leder ja “nur” ein Nebenprodukt ist, sondern viel mehr, weil es einfach gewöhnlich ist. Fleisch lehnen sie ja auch nicht ab, obwohl es da nun wirklich ganz offensichtlich ist, dass ein Tier dafür getötet werden muss. Aber Pelz und exotisches Leder werden viel mehr von außen betrachtet, da sich die meisten Leute derartige Produkte nicht leisten können oder/und nicht der Gesellschaftsschicht angehören, in der diese Gang und Gäbe sind.
Oft habe ich schon gehört, Leder sei doch nur ein Abfallprodukt der Fleisch- und Milchindustrie. Das ist natürlich auch ein Stück weit wahr, aber dennoch muss man bedenken, dass Rindfleisch nicht in allen Teilen der Welt gegessen wird, Leder aber fast außschließlich importiert wird. Sogar in Indien werden Kühe für Leder geschlachtet. Außschließlich für Leder. Dies ist keine Seltenheit, sodass das Märchen vom harmlosen Nebenprodukt nicht haltbar ist. Schon Indien ist der viertgrößte Lederproduzent weltweit.
Leder ist auch in Europa nicht einfach nur ein Abfallprodukt, sondern ein ganz bedeutendes. Vielleicht nimmt man das als Nichtveganer gar nicht so wahr, aber achtet mal darauf, in welchen Massen es Leder gibt, in wie vieles Schuhgeschäften Lederschuhe verkauft werden, wie viele Lederjacken, Lederhandtaschen, Lederportemonnais, Lederbälle und weitere Produkte aus Leder es zu kaufen gibt. Es ist das wichtigste Nebenprodukt der Milch- und Rindfleischindustrie. Mit dem Kauf werden diese also unterstützt. Natürlich wird das Tier vorrangig wegen des Fleisches getötet oder, weil es als “Milchkuh” ausgedient hat und man so zumindest noch etwas an seinem Fleisch und seiner Haut verdienen kann. Außerdem ist die Herkunft des Leders nur schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Und selbst wenn es sich um ein Nebenprodukt handeln sollte:
Für Leder und Milch wird die Kuh genauso geschlachtet, wie für Fleisch. Der ganze Ablauf des Züchtens, Haltens, Melkens und Schlachtens gehört einfach untrennbar zusammen. Da ist man nicht mit dem Konsum eines bestimmten dieser Produkte für verantwortlich.
Auf deutschen Schlachthöfen werden jährlich 200.000 Rinder vor dem Schlachten nicht ausreichend betäubt, da häufig durch das Bolzenschussgerät, welches zur Betäubung dient, nicht ausreichend Gehirnschäden verursacht werden, damit es zur Bewusstlosigkeit kommt. Die nicht hinreichend betäubten Tiere bekommen somit die nächsten Stationen der Schlachtung und, wenn nicht sachgemäß gewartet wird, bis es ausgeblutet ist, sogar seine eigene Zerlegung mit. Auch bei den Schlachtungen anderer Tierarten kommt es häufig zu mangelnden Betäubungen. (Vgl. Karen Duve, “Anständig Essen”, S. 126 ff.)
Dies ist nur einer der vielen Missstände in der Tierhaltung, der mit dem Konsum von Produkten tierischer Herkunft unterstützt wird, auf die anderen kann leider in diesem Artikel nicht eingegangen werden, da das den Rahmen sprengen würde. Die Missstände in der Schlachtung werden übrigens mit dem Kauf von Bioprodukten tierischer Herkunft genau so unterstütz wie mit dem Kauf konventioneller, da es keine extra “Bioschlachtung” gibt. Wobei “ökologische Haltung” bei Leder kein Thema ist, das es speziell deklariertes Leder aus dieser anscheinend gar nicht gibt: “Die Häute für das Leder – meist von Rindern – stammen von konventionellen Tieren. Die Häute von Bio-Tieren getrennt zu erfassen, ist logistisch nicht machbar. Die Mengen sind zu klein, sie müssten bis zur Verarbeitung aufwendig konserviert werden”(Schrot und Korn, 1/2008). Bei dem Kauf eines Lederproduktes einer Ökomarke muss also dennoch davon ausgegangen werden, dass das verwendete Leder aus Intensivtierhaltung stammt.
Mit dem Kauf von Lederprodukten wird also alles Andere als artgerechte Tierhaltung unerstützt und es handelt sich auch nur bedingt um ein Nebenprodukt der Fleisch- und Milchindustrie. Es ist noch nicht einmal möglich, Leder aus “Biohaltung” zu beziehen.

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