Sonntag, 9. Februar 2014

Der Sport, das große, bissige Monster


Über ein halbes Jahr ist es bereits her, dass ich mir vornahm, mehr Sport zu machen, um meiner Gesundheit etwas Gutes zu tun. In dieser Zeit hat sich vieles geändert. Nicht nur an meinem Verhältnis zum Sport, von dem ich heute berichten möchte, sondern auch generell in meinem Leben. Ich konnte endlich mein Abizeugnis in der Hand halten, habe mein FSJ begonnen und bin im Rahmen dessen bei meinen Eltern ausgezogen.
Der viele Wandel bot mir die Möglichkeit für einen Neuanfang - auch was Sport anging. Gerade die Tatsache, dass ich nun, da das Tennis und der Schulsport - dem ich nun wirklich keine Träne hinterherweine - weg fallen, mindestens ein Jahr lang gar keinen Sport mehr machen würde, motivierte mich.

Es fiel mir schwer, mir Sportarten zu überlegen, die überhaupt in Frage kämen. Auch mit eurer Hilfe kamen schließlich vier in die engere Auswahl: Yoga, Pilates, Schwimmen und Radfahren.
Beginnen wir doch mit der schlechten Nachricht: Aus dem Pilates wurde nichts. Ich habe es ein paar Mal ausprobiert, war aber nicht wirklich zufrieden und irgendwie hat es sich daraufhin verrannt. Vielleicht wage ich mich demnächst noch einmal daran.
Nun die gute Nachricht: Die anderen Sportarten mache ich mittlerweile regelmäßig. Ich versuche jede Woche einmal schwimmen zu gehen, wenn das Wetter schön ist, fahre ich Rad oder mache einen Spaziergang, und Yoga mache ich sogar jeden Tag etwa eine halbe Stunde lang. Das hat vieles verändert. Zum Einen hat sich meine gesamte Einstellung zum Sport verändert, zum Anderen fühle ich mich auch viel wohler in meiner Haut. Ich fühle mich nicht mehr so extrem unbeweglich und kraftlos. Auch meine Rückenschmerzen sind fast weg, was aber auch daran liegt, dass ich in einem anderen, nicht so kaputten Bett liege, und nicht mehr stundenlang sitzen muss. Ich nehme nun viel bewusster meinen Körper und auch meine Atmung wahr.
Heute gehört Sport zu meinem Alltag. Er ist ein Hobby, welches ich gerne mache. Ich habe es zuvor nie so erlebt, dass Sport etwas sein kann, was man gerne macht, und, wobei man sich gar entspannen könnte. Schulsport war etwas Lästiges für mich. Immer noch graut mir der Gedanke daran. Für mich als sportlich weniger Begabte war es die pure Bloßstellung, vor oder mit meinen Mitschülern, mit denen ich zumeist auch noch ziemliches Pech hatte, Sport zu machen. Es war deprimierend, diejenige zu sein, die am langsamsten läuft, am wenigsten hoch springt, am schlechtesten tanzen kann, und, am unbeweglichsten ist. Es war niemand da, der hätte sagen können: "Das ist okay. Es geht nicht um Leistung, sondern darum, sich Mühe zu geben und sich gut zu fühlen." Gut gefühlt habe ich mich nie. Es hat mir nie Freude bereitet, meinen Körper zu spüren. Ich hatte Angst davor, mich bloßzustellen. Auch noch, als ich die Schule gewechselt hatte, und in einer Jahrgangsstufe war, in der ich so akzeptiert wurde, wie ich war. Ich wollte nicht diejenige sein, der das Verlieren eines dummen Spieles in die Schuhe geschoben wurde,  über die man sich ärgert, wenn sie in der eigenen Mannschaft ist, die neben den Anderen beim Tanzen aussieht wie ein Trampeltier.
Aus dieser Situation heraus fiel meine Wahl der Sportart, die ich gerne ausprobieren würde, auf Yoga. Mich faszinierte es, Sport zu machen, bei dem es nicht darum geht, Leistung zu erzielen, sondern um einen selbst. Ein Sport, bei dem man nur so weit gehen braucht, wie es sich gut anfühlt, ohne sich dafür schämen zu müssen, es nicht besser zu machen. Ein Sport, den man nicht schlecht machen kann. Natürlich war ich zunächst etwas unbeholfen dabei, aber ich lernte schnell. Vielleicht war genau das meine Motivation, es zu üben: dass ich es nicht musste. Vielleicht motivierte mich gerade die Tatsache, dass ich das allein für mich tat. Es gab niemanden, der mir hätte sagen können, dass ich viel zu unbeweglich wäre und die Asanas nicht korrekt ausführen würde. Ich brauchte mich nicht wie auf dem Präsentierteller zu fühlen.
Zunächst war ich mir nicht sicher, ob Yoga etwas für mich wäre. Es bestanden einige Vorurteile und ich war erstaunt, das Yoga überhaupt nicht so ein Esoterikkram war, wie man annehmen könnte, sondern man es auch ohne den Glaube an irgendetwas machen kann. Auch zweifelte ich an mir, aber schnell wurde ich beweglicher und mir bewusst, dass der Weg das Ziel ist. Ich mache das nur für mich und brauche nicht als Leistungssportlerin geboren sein.
Heute bewege ich mich gerne, habe Lust, mit dem Rad durch die Gegend zu fahren oder spazieren zu gehen, wenn das Wetter mich anlacht, mache relativ konsequent mein tägliches Yoga, kann dabei den Kopf wunderbar freibekommen, freue mich auf das Schwimmen und betrachte es als eine Zeit, die nur für mich ist. Es geht längst nicht nur darum, dass Sport für den Körper gesund ist, sondern auch für die Seele.
Es hat mich große Überwindung gekostet und war kein leichter Weg, aber heute bin ich da, wo ich niemals gedacht hätte, hinzukommen. Der Sport, das große, bissige Monster wurde gezähmt und zu meinem Freund.

Kommentare:

  1. Das freut mich sehr, echt toll!

    Liebe Grüße
    Jessi

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  2. Sport kann so schön sein!!!
    Es freut mich, dass du nach den schulischen negativen Erfahrungen nun positive sammelst.
    Ich gebe dir da vollkommen Recht. Sport ist für KÖRPER & SEELE.
    Die Beweglichkeit und Stabilisation der Muskeln werden trainiert und gleichzeitig kann man seinen seelischen Balast abwerfen. Ich fühle mich danach immer wie neugeboren.
    Sie bloß zu, dass diese neu gewonnene Freundschaft ein Leben lang hält.

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  3. Dankeschön :)

    Ich weiß ganz genau wie du dich gefühlt haben musst. Für mich ist Sport immer noch Horror und früher in der Schule sowieso! War immer die letzte die in eine Mannschaft gewählt wurde, wenn ich den mal mitgemacht habe (habe meistens mein Sportzeug "vergessen" xD). Achja wie ich es gehasst habe und im Moment bin ich viel zu müde und kaputt um, zum Beispiel, joggen zu gehen. Da hört sich Yoga für mich natürlich sehr interessant an wenn ich lese dass du dich nicht mehr so kraftlos fühlst und deine Rückenschmerzen fast weg sind! Fühle mich nämlich selbst so und habe oft Schmerzen in der Schulter :(

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  4. Das freut mich das der Sport dir Spaß macht, wünschte mir ginge es ähnlich :D
    Wie hast du dir den das Yoga beigebracht?Wenn du es zu Hause machst? Hast du ein Buch oder so etwas?
    Liebe Grüße
    xoxo

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  5. oh ich wünschte ich könnte dies auch so für mich sehen. Ich muss Sport nicht als MUSS ansehen...sondern auch als Ausgleich, als Erholung und für mich einfach! Nur weiß ich noch nicht wie! :( wie hast du es denn geschafft? Es muss ja einfach nur Alltag werden...aber genau das ist irgendwie schwierig. Und dieses MUSS dahinter muss ^^ ich aus meinem Köpfchen verjagen....

    Lieben Gruß,Janina

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