Sonntag, 18. Mai 2014

Sinneswandel

Ich sitze auf dem Rad. Der Wind weht mir die leicht kühle Abendluft ins Gesicht. Ich fahre über kleine Feldwege und durch Wäldchen. Der Himmel ist noch hell von den letzten Sonnenstrahlen und leicht bewölkt. Ich atme die frische Landluft ein und genieße den Augenblick. Ein Augenblick, in dem ich etwas abschalten kann. Endlich habe ich Feierabend. Ich lasse den Tag Revue passieren. Vor meinem inneren Auge sehe ich, was passiert ist. Ich erinnere mich daran, dass ich mittags im Fahrschulauto saß und einfach nichts gelingen wollte. Daran, dass ich mich auf absolut nichts konzentrieren konnte. Am liebsten wäre ich in Tränen ausgebrochen.
Beim Spätdienst kam ich furchtbar frustriert an und stellte mich auf einen langen, anstrengenden Arbeitstag ein, von dem ich wünschte, er würde augenblicklich enden. So quälte ich mich zunächst durch den Tag, bis ich irgendwann im Laufe des Nachmittages zurückdachte an die Frau, die mit einem lächelnden Gesicht und offenem Herzen durch die Welt ging und Liebe verbreitete. Ich dachte darüber nach und mir wurde alsbald klar, dass dies das Beste für alle Beteiligten sein musste: Für die Anderen, denen ich Liebe, Fürsorge und ein Lächeln schenke, und für mich, die ich glücklich damit bin. Ich denke zurück an die Frau, die ein FSJ aus Liebe zu anderen Menschen und der Freude daran, sie zu unterstützen, machte. An die Frau, die den Traum von einem Studium hatte und von einem Bereich, in dem sie hinterher arbeiten wollte.
Ich atme tief ein und aus und genieße die Freiheit, während ich Felder und Bäume hinter mir lasse.
Diese Frau möchte ich sein. So möchte ich durchs Leben gehen - mit einem Lächeln auf den Lippen und Augen, die sehen, was mir entgegen kommt, und, wem ich entgegen gehen sollte, und einem Herzen, welches all jenem offen gegenüber steht. Es hat "Klick" gemacht.
Manchmal ist nicht das Leben zu stressig und alles viel zu viel, sondern macht man sich selbst verrückt. Manchmal muss man den Dingen lächelnd entgegentreten und den Mund aufmachen und sagen, wenn doch mal etwas zu viel wird. Das kann diese Frau. Diese Frau bekommt auch einen stressigen Tag organisiert und kann auch wunderbar Auto fahren, da sie ruhig und besonnen bleibt.
Ich genieße die Schönheit der Welt und den Augenblick, der nur mir gehört. Ich atme die frische Luft ein, ziehe mir das Zopfgummi aus dem Haar, welches ich nun im leichten Abendwind wehen lasse. Ich spüre die letzten Sonnenstrahlen auf der Haut und, wie sich ein langer, anstrengender Tag dem Ende zuneigt. Ein langer, anstrengender Tag, der dennoch etwas Gutes und Kostbares mit sich gebracht hat. Er hat mir einen neuen Blickwinkel auf die Welt gegeben.

Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben. <3 Danke, dass du deine Gedanken und Gefühle so mit uns teilst. :)

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    1. *freu freu freu*
      Ich glaube, das sollte ich öfters tun. Das macht sich wirklich gut auf meinem Blog :)

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  2. Das ist soo schön geschrieben!
    Das mit der Fahrschule kenne ich. Ich hatte heute auch ein paar blöde, frustrierende Situationen. Aber man muss sich halt mehr auf das gute fokussieren (:

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