Sonntag, 1. Juni 2014

Schlaflose Nacht

Ich liege im Bett. Der Tag war lang und hat viele Eindrücke mit sich gebracht. Viele Gedanken schwirren durch meinen Kopf. So viele Gedanken, dass ich einfach nicht abschalten kann, obwohl ich totmüde bin und auch schon seit siebzehn oder achtzehn Stunden auf. Ich beschließe auf Toilette zu gehen, stehe auf und durchquere den Flur. Ich komme dabei am Balkon vorbei. Auf dem Rückweg gehe ich nach draußen und atme tief ein. Es ist eine angenehme Sommernacht. Die Luft ist etwas kühl und der Himmel bedeckt mit einer leichten Wolkenschicht. Ich nehme den unbeschwerten Geruch der Nacht auf. Er mischt sich mit dem Geruch des Regens, welcher es noch vor wenigen Stunden auf die nun noch feuchte Erde gefallen war.
Vom Balkon aus kann ich weit über das Land sehen. Ich sehe die schwarzen Sihouetten von Bäumen und Sträuchern. Wenige einsame Laternen erhellen in die ansonsten finstere Welt mit ihren Lichtkegeln. Sie wirken wie verirrte Glühwürmchen, die versuchen, möglichst hell zu leuchten, um in der riesigen, dunklen Weite gesehen zu werden. Sie sind so viel heller als alles um sie herum, dass es mich blendet, sie direkt anzusehen. Und doch sind sie der Grund dafür, dass ich überhaupt etwas erkennen kann in dieser sternenlosen Nacht.
Die Weite liegt vor mir. Sie ist einsam und unberührt. Alles schläft.
Ich merke, wie wunderschön die Nacht ist. Sie ist nicht beängstigend, sondern friedlich. Ruhig, einsam und friedlich. Die ganze Welt schläft, nur ich bin wach und genieße den Augenblick.
 Ich würde am liebsten spazieren gehen in der Dunkelheit und ein Teil der Welt werden, die mich so verzaubert. Stattdessen gehe ich zurück in mein Zimmer, öffne ein Fenster, setze mich auf die Bank des geschlossenen und schließe die Augen. Ich lausche. Nachts sind Töne so viel deutlicher. Es mischen sich nicht so unfassbar viele Geräusche von Menschen und man kann die Natur besser hören. Nur die Autos auf der Bundesstraße durchbrechen die Stille und wecken die Erde aus ihrem verdienten Schlaf.
Ich öffne wieder die Augen und blicke auf die dunkle Landschaft. Mein Kopf ist gegen die Scheibe gelehnt und ich bemerke, wie mich die Müdigkeit überkommt und meine Augen zu fallen. Jetzt macht es mir nichts mehr aus, noch wach zu sein. Würde ich schlafen, bekäme ich nichts von dieser zauberhaften Tageszeit mit. Ab der heutigen Nacht werde ich mich ans Fenster setzen, wenn mich der Schlaf einfach nicht finden will. Vielleicht schaut er ja durch die Scheibe hinein und bemerkt, dass er mich vergessen hat.

Kommentare:

  1. Hach ja, ich wünschte ich könnte schlaflose Nächte mal so sehen... aber irgendwie beunruhigen mich die dann doch eher... ;)

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  2. Diese Momente der Welterkenntnis, in denen wir begreifen, wie klein wir sind, in denen wir den Himmel und die unzähligen Sterne plötzlich ungefiltert durch die Ablenkungen des Alltags wahrnehmen, sind gleichermaßen beruhigend und erschreckend. Wir sind nur ein Haufen Moleküle, die zufällig genau so angeordnet sind, dass sie darüber nachdenken können, dass sie nur ein Haufen Moleküle sind...

    Ich empfehle für das Warten auf den Schlaf David Bowies "Starman" und die Balladen von Suede (z.B. "By the Sea"), denn man muss schwelgen können, Dagoberts "Morgens um halb vier", denn die Seele braucht Kitsch, und Wagners "Tristan", vor allem Isoldes finale Arie ("Mild und leise"), denn besser geht's nicht.

    Starman: http://www.youtube.com/watch?v=tRcPA7Fzebw
    By the Sea: http://www.youtube.com/watch?v=uLYPKHXYd6Y
    Morgens...: http://www.youtube.com/watch?v=EsIENZZLyzg
    Mild und leise ("Liebestod"): http://www.youtube.com/watch?v=_mOA8pZ_I4M

    LG vom Lieblingsanon

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    1. Oooooh mein Lieblingsanon schreibt mal wieder was *freu*
      Ich werde mich da mal durchhören, danke schön :)

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