Mittwoch, 20. August 2014

Was ist Slow Fashion?

Ein Thema, welches mich schon länger interessiert, ist nachhaltige und fair gehandelte Kleidung.
Ein Aspekt davon ist "Slow Fashion". Das ist Mode, die sich dadurch kennzeichnet, dass sie über einen längeren Zeitraum getragen werden kann, da sie zum einen zeitlos und zum anderen gut verarbeitet ist.


Leider ist die Bekleidungsindustrie heute genau das Gegenteil von "Slow": Zu viel Kleidung muss in kürzester Zeit hergestellt werden, um am Ende als Schnäppchen verkauft zu werden. Hierbei ist klar, dass einiges auf der Strecke bleibt. Das beginnt bei den Arbeitsbedingungen im Baumwollanbau und bei der Verarbeitung, zu denen ich eigentlich nicht viel schreiben muss. Denn einmal ganz ehrlich - auch wenn wir zumeist die Augen verschließen, wissen wir alle, wie furchtbar diese sind. Niemand hat noch nie etwas von "Sweatshops" gehört - aller spätestens nach der Rana-Plaza-Katastrophe letztes Jahr sollte sich jeder über die Missstände im Klaren sein. Darüber hinaus müssen natürlich auch bei der Auswahl der Rohstoffe und der Qualität der Verarbeitung Abstriche gemacht werden, um den Preis klein zu halten. Weiter geht es mit dem ökologischen Aspekt: Der Baumwollanbau als Monokultur auf Großplantagen ist alles Andere als nachhaltig, es kommen unzählige Pestizide zum Einsatz und verbraucht werden Unmengen von Wasser. Bei der Textilfärbung werden gefährliche chemische Stoffe verwendet, die bei falscher Entsorgung die Umwelt verschmutzen und sich unter Umständen sogar auf die Gesundheit des späteren Trägers auswirken können.
Außerdem sind die heutigen Kleidungsstücke zumeist so wie so nicht dafür gemacht, langlebig oder hochwertig zu sein, damit die Konsumenten sie bald durch neue ersetzen. Im nächsten Jahr muss nun auch die tolle neue Mode her, während viele "alte" Sachen in der hinteren Ecke des Kleiderschrankes vergammeln, irgendwann weggeworfen werden oder bestenfalls in den Altkleidersack wandern.
Mode wird immer schneller und flüchtiger. Während es früher noch zwei Kollektionen im Jahr gab, die sich an den Jahreszeiten orientierten, sind es jetzt einige mehr. Hinzu kommt, dass quasi durchgängig Sale ist. Ging es nicht ehemals mal darum, Restposten loszuwerden, bevor die Sommer- oder Winterkollektion Einzug in die Läden erhalten kann? Das Prinzip "Sale" scheint sich ja wunderbar zu vermarkten, wenn die Leute mit einer Tüte Klamotten, die sie eigentlich gar nicht brauchen, das Geschäft verlassen. "Sale" ist doch nur noch eine Taktik, noch mehr billig und oft auch extra dafür produzierte Kleidung an die Frau oder natürlich auch den Mann zu bringen.


Wer kennt das nicht, dass er vor einem überfüllten Kleiderschrank steht, und doch nichts zum Anziehen hat? Wäre es nicht schöner, nicht von allem zu viel zu haben, sondern die wichtigsten Teile? Einige Kleidungsstücke, die einem wirklich gefallen und zu einem und dem eigenen Stil passen. Ein Stil, der so über viele Jahre bestehen bleibt, anstatt mit dem neusten Trend zu verwehen. Die Kleidungsstücke wären keine Massenwaren, die nur zum Wegschmeißen produziert wurden, mit einer völlig undurchsichtigen Produktionskette, sondern würden eine Geschichte erzählen und einen über einen längeren Zeitraum begleiten. Wäre es nicht schöner, hochwertige Produkte, die einem perfekt passen und stehen, und, bei deren Tragekomfort man keine Kompromisse eingegangen ist, zu besitzen? Wie wäre es, wenn man Kleidung im Schrank hätte, in der man sich einfach wohlfühlt, und, die man gerne anzieht, ohne sich daran satt zu sehen? Genau das macht Slow Fashion aus.

Unsere Welt ist davon leider heute noch sehr weit entfernt, aber ich finde, dass man auch - oder gerade - als Konsument einen gewissen Einfluss darauf hat, wo die Reise hingehen soll. Das fängt mit den Fragen "Brauche ich das wirklich?" oder "Gefällt mir das in einem (zwei, drei) Jahren immer noch?" an, führt über ein bewusstes Konsumverhalten, hin zu fair gehandelter, ökologischer Kleidung, Selbstgemachtem oder Second Hand. Die Auswahl an fairtrade Kleidung ist leider bis dato noch nicht die größte und es gibt noch längst nicht alles oder vieles nur zu sehr hohen Preisen. Ich denke aber, gerade hier sind wir Konsumenten gefragt, die Anfrage zu steigern, sodass auch grüne Modelabel mehr abnehmen und dadurch günstiger verkaufen können, und, sodass sie ihr Angebot erweitern können. Dass sich diese Kleidung nicht jeder leisten kann, ist mir natürlich klar. Das Problem ist eher, dass die meisten Menschen sie sich nicht leisten möchten.

In wie weit jeder das umsetzt, möchte ich natürlich niemandem vorschreiben. Ich möchte nicht mit erhobenem Zeigefinger jeden zurechtweisen, der Kleidung, die in Bangladesch genäht worden ist, kauft. Ich möchte lediglich die Augen für diese Problematik öffnen und darauf hinweisen, dass auch eine Alternative denkbar wäre. Ich möchte die Grundgedanken der Slow Fashion darstellen.

Kommentare:

  1. Guter Artikel! :)

    Du könntest vielleicht noch deine liebsten Online-Shops aufzählen! Ich finde immer nur schwer Kleidung, die mir wirklich gefällt, in ökologisch und fair. Armed Angels mag ich aber z.B. sehr.

    Hast du einen Tipp für Unterwäsche?

    LG Anna

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    1. Hallo Anna,
      das wäre wirklich einen Post wert :-) Ich bin leider noch nicht so lange dabei, als dass ich Erfahrungen mit sehr vielen Onlineshops hätte. Ich zeige hier hin und wieder ein paar Sachen, aber vielleicht mache ich echt noch einmal eine Liste. Danke für die Anregung :)
      Das Problem mit der Unterwäsche habe ich auch. Da habe ich bisher leider auch noch keine faire Alternative gefunden. In den meisten Onlineshops gibt es entweder überhaupt keine Unterwäsche oder meist nur ganz furchtbare und meistens dann auch noch zu einem Preis, der selbst für grüne Mode unmöglich ist. Wo ich manchmal noch etwas kaufe, ist Takko. Die sind zumindest in der Fair Wear Foundation, also wenigstens schon einmal das kleinere Übel gegenüber den meisten anderen Konzernen. Bei BHs könnte ich mir auch noch Kleiderkreisel/2nd Hand vorstellen, aber bei Unterhosen ginge das gaaar nicht :-S Wenn ich etwas finde, berichte ich davon ;)
      Liebste Grüße,
      Oscura

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  2. Toller Post! :)
    Auch wenn ich nicht den kompletten Kleiderschrank voll Ökoklamotten habe finde ich das Prinzip, dass du vorstellst super!
    Ich liebe es stundenlang auf Seiten wie Kleiderkreisel nach kleinen Schätzen zu suchen und Armed Angels finde ich auch toll, da muss ich Anna zustimmen! :)
    Klar sind die Sachen dort etwas teurer und ich habe bis jetzt auch "nur" ein Oberteil von Armed Angels (Weihnachtswunsch von letztem Jahr), aber das Oberteil ist mein absolutes Lieblingsteil! Wie du beschreibst: Ich kann mich nicht daran satt sehen, es ist schlicht, aber dennoch irgendwie kreativ und es sitzt meiner Meinung nach perfekt und da der Stoff nicht zu dünn und nicht zu dick ist kann ich es in fast jeder Jahreszeit (außer Hochsommer) tragen. :)
    Zudem gefällt mir die Qualität einfach super. Das Motiv ist nach einem Dreivierteljahr noch kein bisschen verwaschen und es sieht echt hochwertig aus, darin fühlt man sich automatisch gleich dreimal so gut! :D
    Es handelt sich um das Oberteil:
    http://blog-dawn-blog.blogspot.de/2014/02/diy-dreamcatcher.html
    Wenn die Winterkollektion da ist suche ich mir auf jeeeeden Fall das ein oder andere Teil aus! :)

    Liebe Grüße ♥

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  3. Dankeschön :) Ich werde mich bemühen, wieder etwas regelmäßiger zu bloggen, denn irgendwie hat es mir doch schon gefehlt ;)
    Ich finde das Thema nachhaltige Kleidung total spannend, leider hört man ja im Gegensatz zu anderen Bereichen (Lebensmittel zb) eher wenig darüber. Ich versuche mich auch mehr damit zu beschäftigen und von dieser ganzen Trash-Kleidung, die man überall nachgeworfen bekommen, wegzukommen. Ist leider irgendwie einfacher gesagt als getan. Aber ich hoffe, da sich mein Kleidungsstil in letzter Zeit verändert hat (und, wenn ich im Arbeitsleben angekommen bin sicher noch mehr verändern wird und ich dann auch mehr Geld zur Verfügung habe), dass ich dann auch mehr auf Nachhaltigkeit und Fair Trade bei Kleidung achten werden.

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  4. Dankeschön! Eigentlich habe ich versucht nur so neutral wie möglich zu gucken. War jedenfalls nicht meine Absicht traurig zu gucken aber vielleicht kommt da doch was von meiner derzeitigen Gemütslage durch.
    Ja, klar! Glaube dir dass deine größeren Bilder aufwändiger sind aber der Drache an sich hat soo viele Details... das sieht einfach nach so viel Arbeit aus! Also für mich persönlich wäre ein Drache als Tattoo nichts aber meine Schwester hat auch einen chinesischen und der sieht schon echt klasse aus!
    Auf jeden Fall! Selbstgemachte Sachen sind was ganz anderes als Dinge die man kauft :)

    Sehr guter Post! Finde es toll dass du darauf aufmerksam machst, grade weil man leider viel zu wenig darüber liest oder hört. Dieses Argument dass man es sich nicht leisten kann teuere Kleidung zu kaufen ist auch wirklich quatsch, dann kauft man sich halt wenige teuere Teile als viele billige... finanziell kommt man da wohl aufs selbe raus. Eine Liste von Online-Shops würde mich auch sehr interessieren! Habe mich nämlich (zugegeben) noch nicht wirklich mit dem Thema auseinander gesetzt.

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