Donnerstag, 6. November 2014

Sprachlos

Bitte bedenke vor dem Lesen, dass dieser Artikel meine subjektiven Gefühle in einem für mich sehr schockierenden Moment widerspiegelt, sich auf die Gesamtheit der Gesellschaft bezieht und nicht dazu gedacht ist, irgendjemanden persönlich angreifen.


Ich bin ohne Worte. Es macht mich traurig, was geschieht. Noch trauriger macht mich die Gleichgültigkeit der Menschen.
Ich versuche, in Worte zu fassen, was mich so sprachlos macht, und merke, dass ich alles und nichts sagen könnte. Denn was sagt man schon in so einem Moment?
Menschen neigen offenbar dazu eine süße Lüge der bitteren Wahrheit vorzuziehen. Das macht vieles einfacher, zumindest auf den ersten Blick, zumindest rein oberflächlich betrachtet. Wenn man einen Blick unter diese Oberfläche wirft, sieht man die dramatischen Folgen, die diese Neigung haben kann.
 
Was hat mich heute so sprachlos gemacht?
Es waren die Nachrichten. Ja, die Nachrichten sind jeden Tag grausam und am liebsten würde ich mir manchmal gar nicht anhören, wo auf der Welt schon wieder Aufstände oder Kriege sind. Aber darum soll es heute gar nicht gehen. Sprachlos gemacht hat mich etwas ganz Anderes. Etwas, woran sich sonst keiner zu stören scheint. Diese Tatsache hat mir schließlich völlig die Sprache verschlagen.
Relativ am Ende der Sendung, als die "wichtigeren" Sachen gesagt worden waren, kam der Schock. Die Geflügelpest, ausgelöst durch den Virus H5N8, die bisher nur in Asien verbreitet war, ist nun erstmals in einem deutschen Mastbetrieb aufgetreten. 31.000 Puten und das gesamte Geflügel im Umkreis von drei Kilometern werden gerade in diesem Moment vielleicht noch mittels Kohlendioxid getötet.
So entsetzt ich über das grausame Ende tausender Leben bin, so kalt lässt es die Leute im Fernsehen. Das Ganze wird mit einer trockenen Bemerkung als Vorsichtsmaßnahme abgespeist. Was ich als mehr oder weniger Außenstehende klar als lächerlich gegenüber der Tatsache so vieler Tode erkenne, scheint für andere Menschen absolut rechtfertigend zu sein. 
Ein Gefühl der Verzweiflung verbreitet sich in mir und mein Eindruck von der Sendung ändert sich. Einen Moment lang kommen sie mir so verlogen vor, wie sie versuchen so eine Grausamkeit zu legitimieren und allen Leuten, die diese Sendung gerade in diesem Moment sehen, einzureden, dass das, was geschieht, völlig in Ordnung sei, während ich jeden Moment in Tränen ausbrechen könnte, wenn ich von dem Tod tausender fühlender Wesen höre. Ich fühle mich unglaublich machtlos gegenüber allem, was geschieht.
Das umreißt die ersten Gedanken und Gefühle, die unmittelbar in mir hoch kamen.
Aber wollen sie wirklich andere Leute belügen, frage ich mich jetzt, oder nicht vor allem sich selbst? Zu sagen, dass es eine Katastrophe ist, würde bedeuten, zuzugeben, dass es nie richtig war, Tiere in Massen zu halten und zu töten. Im Grunde haben die Puten ja nur gelebt, um zu sterben. Wenn nicht heute, dann wären sie an einem anderen Tag von Menschenhand gestorben. Es wäre völlig inkonsequent und würde alles, was man bis Dato getan hat, in Frage stellen, den Tod jener tausender Tiere zu bedauern.
Am einfachsten fällt es, die Realität derart zu verzerren, indem man etwas den Wert nimmt, in diesen Fall den Tieren. Dadurch, dass ihre Leben als wertlos betrachtet werden, können Menschen ihnen weiterhin Leid antun, ohne darin ein moralisches Vergehen zu sehen.
 
Dieser Moment hat mir wieder die Augen für die Welt geöffnet, in der ich lebe. Denn auch wenn ich für mich meine eigenen Konsequenzen aus all den Grausamkreiten gezogen habe und mich seit Langem nicht weiter daran beteilige, rede selbst ich mir doch oft fast schon schön, was Andere tun und vergesse, was wirklich geschieht. In manchen Momenten fange ich sogar an, an dem zu zweifeln, was ich tue. Nun fühle ich mich auf den kalten, harten Boden der Tatsachen geholt.

Es macht mich einfach nur sprachlos, wie viel einfacher es ein weiteres Mal ist, sich selbst und allen Anderen eine süße Lüge zu erzählen, als der bitteren Wahrheit ins Auge zu sehen.
Ich hoffe, ich konnte, auch wenn es keine Worte gibt, die dem gerecht werden könnten, wenigstens meine ganz subjektiven Gefühle teilen. Gerne würde ich auch für die sprechen können, die nicht für sich selbst sprechen können, aber es fehlen mir die Worte dafür.

Kommentare:

  1. Es ist leider zu oft der Fall, dass so etwas wichtiges einfach nebenher erwähnt wird.
    Ich sehe aber ehrlich gesagt auch eine Veränderung in unserer Gesellschaft und merke, dass sich immer mehr darüber Gedanken machen.
    Ich finde es super, dass du deine eigene Meinung hier Preis gibst. So werden vielleicht noch andere Menschen darauf aufmerksm.

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  2. Das habe ich gar nicht mitbekommen, wahrscheinlich weil es kaum irgendwo erwähnt wurde... schrecklich! Wobei ich mir denke, diese Tiere würden sowieso sterben... und wer da Mitleid hat, der verurteilt diese ganze Tierhaltung im Allgemeinen... alle anderen verschließen schön die Augen und fressen weiter ihr Fleisch... ekeln sich aber, wenn sie an ihrem Obst eine matschige Stelle finden...
    Für mich ist diese ganze Industrie einfach total absurd und ich wünschte, Fleischesser würden sich so viele Videos anschauen wie ich... am besten jeden Tag bis sie es nicht mehr aushalten und aufhören das zu unterstützen... ich möchte mir diese Sachen nicht mehr ansehen, tu es aber immer wieder, einfach um mich daran zu erinnern, dass es richtig ist, was ich tue...

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  3. was erwartest du denn, die es in ordnung sind, tiere für den menschlichen genuss zu quälen und zu töten? selbstverständlich finden die es auch ok, tiere aus "sicherheitsgründen" zu töten.
    was bei sowas bloß ganz gut ist, ist dass mal wieder ein paar unschöne bilder von so massenbetrieben gezeigt werden. das hilft ein bisschen, dass die leute nicht mehr so gut verdrängen können, wo ihre putenstreifen im salat herkommen...

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    1. Ich glaube, wen es nicht schockiert, dass so viele Tiere sterben, dem sind die Bilder von den Mastbetrieben erstrecht egal..

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  4. Ich habe das Gefühl, dass sich Fleischesser ohnehin immer angegriffen fühlen, bzw. sofort mit den schwachsinnigsten Argumenten ankommen. Ich finde aber auch, dass du sehr passend schreibst und irgendwo mit viel Feingefühl. Du findest schon die richtigen Worte. Wenn du darüber schreiben möchtest, dann tu das doch einfach.
    Es ist dein Blog und du alleine entscheidest was hier geschrieben wirst.

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  5. ich bin auf einem bauernhof aufgewachsen und während die nachbarskinder nicht mitbekommen sollten, was mit unseren schweinen passiert, war für mich immer klar, dass die tiere gehen um zu sterben damit ich sie essen kann.
    es kann also sein dass ich zu abgehärtet bin.

    1. frage die ich dir stellen möchte zu dem thema: would you kill to save your life? viele würden vllt sagen, dass sie niemals töten würden, aber ich denke, dass unser überlebensdrang so stark ist, dass man tötet. diese geflügelkrankheit stellt jetzt eine bedrohung dar und um das eigene leben und (um es überspitzt zu sagen) der gesamten gesellschaft zu schützen, müssen die infizierten tiere getötet werden. da der virus aber wahrscheinlich sich immer noch auf dem hof befindet muss die vorsichtsmaßnahme ergriffen werden und alle töten im besagten umkreis. also eher schutz.
    klar, jetzt kann man sagen, dass man auch nie hustende menschen töten würde, weil sie anstecken könnten. liegt wahrscheinlich daran, dass sie leben um zu sterben, eben nutztiere sind. für viele in der gesellschaft haben tiere auch keine seele oder keinen charakter. sind also nicht mit den menschen gleich zu setzen. jeder, der ein tier besitzt, egal ob hund, katze, fisch, pferd, etc. weiß aber das gegenteil (mich eingeschlossen), allerdings ist das dummerweise noch nicht erwiesen.
    ich glaube durch diese charakter und seelenfrage wird das morden auch noch legitimiert.

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    1. auf der anderen seite musst du aber auch unsere natur anschauen: wir haben die augen vorne und nicht an der seite. wir sind also jagdtiere. somit gehört fleisch iwo zu unserer natur dazu.
      wahrscheinlich habe ich mich damit jetzt ziemlich weit aus dem fenster gelehnt, aber ich habe nichts dagegen fleisch zu essen und toleriere deswegen auch schlachtung. ist wahrscheinlich einfluss durch meine herkunft. aber du musst auch einmal sehen, dass nutztiere oder tiere in deutschland ziemlich viele rechte haben. oftmals mehr als in anderen ländern menschen haben. jedes schwein hat zb. immer das recht auf eine bestimmte quadratmeteranzahl (mehr als 1m2).

      nichtsdestotrotz vergessen viele vegetarier, die auf fleisch verzichten den tieren zuliebe, dass es nichts bringt nur auf fleisch zu verzichten. wenn die kuh zwar nur nicht geschlachtet wird, wird sie immer noch gemelkt. doof, ändert auch nichts an der massentierhaltung (ich bin auch nicht pro-massentierhaltung, aber die kontrolle auf den höfen ist gut und der durchschnittshof hält alle regeln ein und die tiere haben ein gutes leben. betonung auf durchschnittshof)

      und eine sache, an die niemand denkt, wenn man von einem solchen skandal hört, außer man hat sie am eigenen leib erfahren: als damals der schweinefutterskandal ausgebrochen ist, hatte meine familie mehrere monate probleme mit dem geld. niemand wollte mehr schweinefleisch essen, also konnten wir unsere schlachtfertigen schweine nur für nicht genug geld verkaufen, während auf der anderen seite das futter extrem teuer geworden ist. wir hatten kaum gewinn an den schweinen und somit kein einkommen. und wir sind ein hof, der neben schweine auch noch kartoffeln und getreide anbaut. stell dir jetzt einmal vor, wie es auf einem reinen schweinemastbetrieb ausgesehen hat. und das nur weil iwo ein virus ausgebrochen ist.

      und jetzt kommst du und sagst, dass du die meldung zu klein findest und zu viele vorsichtsmaßnahmen ergriffen wurden. ja, wenn die meldung größer wäre und die vorsichtsmaßnahmen kleiner gewesen wären, wäre wieder eine angst vor putenfleisch entstanden und etliche bauern hätten deswegen probleme, obwohl niemand etwas dafür kann.

      ich hoffe, dass du alles durchgelesen hast und meinen kommentar nicht löscht. vielleicht schreibst du ja noch einmal einen kommentar zu meinem kommentar.
      ich wollte dich und deine denkweise nicht kritisieren, da ich tiere auch sehr liebe und massentierhaltung auch widerlich sein kann, aber besonders in deutschland noch vertretbar ist. deine argumentation ist schlüssig und ja, tiere sollten nicht ohne grund sterben. ich wollte dir die situation nur einmal aus einem anderen blickwinkel präsentieren und dich evtl zum nachdenken anregen.

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    2. Hallo und danke schön für deinen langen Kommentar. Natürlich habe ich ihn durchgelesen und lösche ihn nicht. Hier herscht Meinungsfreiehit. Ich lösche nur unangemessene Sachen wie Spam, Beleidigungen, Links zu fragwürdigen Seiten etc.
      Und ich kann deine Meinung auch in viele Punkten nachvollziehen. Dass Milchprodukte auch nicht "besser" sind als Fleisch, ist mir klar, wobei ich schon froh bin, wenn Leute überhaupt einen Schritt in die Richtung gehen. Und natürlich ist der Mensch von Natur aus Allesfresser. Ich würde auch nie auf die Idee kommen, das in Frage zu stellen.
      Aber für mich ist die Situation heute sehr weit weg von den Jägern und Sammlern, die unsere Vorfahren einmal waren. Natürlich haben diese Tiere gejagt zum Überleben, aber heute besteht nicht mehr die Notwendigkeit, Fleisch zu essen, sodass es sich hierbei nur noch um einen Luxus handelt, der nun mal auf Kosten anderer geht.

      Dann habe ich mich vielleicht etwas unklar ausgedrückt? Ich habe mit meinem Text nie die Frage stellen wollen, ob es nun richtig oder falsch war aus der Situation heraus die Tiere zu töten, sondern darauf aufmerksam machen wollen, wie furchtbar es ist, dass so viele Tiere sterben mussten, und, dass sich niemand überhaupt daran zu stören scheint. Ich finde "Eine Vorsichtsmaßnahme." fällt als Rechtfertigung schon sehr knapp aus.

      Eigentlich ist es doch eine Annahme aus der Renaissance, dass der Mensch das einzige Wesen wäre, dass eine Seele besitzt. Davon geht man doch heute gar nicht mehr aus. Wobei das sicherlich davon abhängt, wie man jetzt genau Seele definiert. Dass Tiere ein Bewusstsein haben, sich untereinander im Verhalten unterscheiden können, im Allgemeinen lernfähig sind und ein gewisses Repertoire an Gefühlen besitzen stellt heute aber bestimmt kein ernstzunehmender Wissenschaftler mehr in Frage. Aber in dem Punkt, dass Tiere eine Seele haben, sind wir uns ja so wie so einig.

      Wenn ich Mastbetriebe nicht vertretbar finde, dann habe ich auch keinen Grund, mich dafür einzusetzen, dass man weiterhin von ihnen kauft. Das ist auf niemanden persönlich bezogen und ich wünsche auch niemandem, dass er zu wenig Geld hat, sondern auf das gesamte System. Natürlich ist mir klar, dass es auch Leute gibt, die von der Viehwirtschaft leben. Ich wünsche auch nicht diesen Menschen persönlich, dass sie weniger Geld haben, aber ich würde mir natürlich trotzdem wünschen, dass weniger von dem gekauft wird, was sie verkaufen. Das ist halt eben nichts Persönliches sondern gegen das System.

      Ich finde nicht, dass Massentierhaltung in Deutschland vertretbar ist, und, dass die Anforderungen viel zu gering sind. Dadurch, dass etwas schlimmer sein könnte oder irgendwo anders schlimmer ist, ist es für mich noch nicht in Ordnung. Wenn ich Bilder von Hallen mit Geflügel, dicht an dicht, sehe, oder davon wie Kühe in Anbindehaltung, sich nicht umdrehen können, dann ist das für mich ganz weit von dem weg, was irgendwie vertretbar wäre.

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    3. Ach so, und natürlich wollte ich nicht mit dem Artikel sagen, dass ich mir gewünscht hätte, dass die Medien das Thema zu dem nächsten riesigen Skandal aufpushen. Natürlich ist mir bewusst, dass dadurch Betriebe finanzieklle Probleme bekommen, was ich halt wie gesagt niemandem persönlich wünsche.
      Ich wollte damit viel mehr kritisieren, mit welcher Gleichgültigkeit die Menschen den Tieren gegenüber stehen. Und auch bei den großen Skandalen sind die Tiere ja die, um die es am wenigsten geht, wenn irgendeine Krankheit für den Menschen gefährlich werden könnte. Und natürlich ist keinem Tier geholfen, wenn dann viele Leute ein paar Monate lang lieber Huhn als Pute essen.

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  6. sry dass es zwei kommentare (mittlerweile ja drei) geworden sind, aber man darf nur eine bestimmte anzahl an zeichen machen ;)

    PS: ich finde deinen sticker mit dem kaninchen gut: keine macht den tierversuchen!

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  7. Das stimmt auf jeden Fall... die Leute werden einfach mit der Zeit reifer im Kopf und sind nicht mehr so dumm wie viele Jugendliche (die meisten jedenfalls) :D

    Ich finde sowas auch schrecklich und auch die Gleichgültigkeit der meisten Menschen. Die meisten wollen die Wahrheit einfach nicht sehen... oder es ist ihnen einfach egal, genauso wie sie schockiert sind wenn sie ein Video sehen in dem ein Hund gequält wird aber sich gleichzeitig ein Schnitzel rein schieben. Manchmal fasse ich es nicht wie viele Menschen drauf sind...

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  8. Oh man, ich denke da genau so wie du und finde das schrecklich! :/
    Besonders die Begründung, die Tiere seien "Nutztiere" und "müssen sterben" denn das ist der "einzige Sinn ihres Lebens" kann ich nicht mehr hören. Was für ein Schwachsinn. Natürlich stirbt jeder irgendwann, ob Mensch oder Tier. Trotzdem ist es ja auch nicht erlaubt, Menschen zu töten, bloß, weil sie ja so oder so irgendwann gestorben wären, wieso also sollte das für Tiere anders sein?! -.-
    Klar, es wird gesagt, die Tiere werden ja speziell dafür gezüchtet um auf dem Teller zu enden, aber (das ist jetzt vielleicht krass ausgedrückt, aber für mich sind Tiere nicht gerade weniger Wert als Menschen) wenn's danach geht kann irgendein kranker Mensch auch sagen, er isst sein eigenes Kind, denn er hat es dafür geboren, dass es auf dem Teller landet.

    So und jetzt noch zu deinem Kommentar: Erstmal Danke :D Das kenne ich! :D Man räumt auf und plötzlich ist es wieder unordentlich! :D Das ist wohl bei jedem so, hihi ;)

    Liebe Grüße ♥

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  9. Hihi, vielen Dank! :)

    Ohja, das ist krank, und wie! :/

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