Donnerstag, 4. Dezember 2014

Rauhnächte


In letzter Zeit befasse ich mich viel mit alten Bräuchen, die Jahrhunderte lang in der Winterzeit praktiziert wurden. Besonders bedeutend sind hier die zwölf Rauhnächte. Ihr genauer Ursprung und die Rituale von damals sind nicht wirklich klar, es gibt aber viele Bräuche, die über Jahrhunderte überliefert wurden.
Die Rauhnächte sind die zwölf Tage, die bis zum Ende des Sonnenkalenders übrig geblieben sind, als der damalige Mondkalender endete. Der Vorstellung nach liegen diese Tage somit außerhalb der Zeit und die Schleier zur anderen Welt, zum Jenseits, sind besonders dünn.
Dementsprechend lagen diese Tage außerhalb der sonstigen Ordnung. So wurde nicht gearbeitet. Alle Arbeit sollte spätestens bis zum 25.12. verrichtet, alle Rechnungen bezahlt, alles Geliehene zurückgegeben und alle Wäsche gewaschen sein, um nichts Unerledigtes und keine Schulden mit ins neue Jahr nehmen zu müssen.
Stattdessen wurde sich in dieser Zeit besinnt und gefeiert (Weihnachten, Neujahr). Auch wurden die zwölf Nächte symbolisch für die zwölf Monate des Jahres gesehen und das Geschehene als entsprechendes Omen.
Diese Zeit war mit zahlreichen Ritualen verbunden, so wurden Haus und Stall ausgeräuchert, das alte Jahr mittels eines Reisigbesens aus dem Haus gekehrt, auf vielfältige Weise orakelt, Opfergaben nach draußen gestellt, Brot gebacken (was in früher als heilig galt)... Es wurde auch den Ahnen gedacht, denen man sich in dieser Zeit besonders nah fühlte.
Außerdem gab es einige teilweise ziemlich schaurige Legenden über Götter wie Odin, Frau Holle oder Perchta, die mit ihren Gefolgen in der winterlichen welt bzw. am winterlichen Himmel unterwegs sein sollten.

Es lässt sich also sagen, dass die Rauhnächte ein Zeitraum außerhalb des sonstigen Alltages sind, in dem man sich in Form verschiedener Rituale besinnen kann, das alte Jahr abschließen und Revue passieren lassen kann und dem neuen entgegen sehen.

Auch ich möchte dieses Mal zwischen den Jahren etwas zur Ruhe kommen. Daher plane ich einiges. Ich möchte mich in dieser Zeit ein paar Tage lang zurückziehen aus dem sonstigen Alltagsdschungel, auch wenn die Vorlesungsfreie Zeit zu kurz ist, als dass ich dafür zwölf Tage hätte, wenn ich außerdem noch meine Familie besuche.
Ich möchte auf jeden Fall ein paar Tage lang ohne die meisten technischen Geräte leben. Was ich wahrscheinlich am meisten vermissen werde, ist nicht der Laptop, das Smartphone oder der Fernseher, den ich noch nicht einmal besitze, sondern schlichtweg die Uhr. Aber den Versuch möchte ich wagen und ein paar Tage lang nach meinem eigenen Zeitgefühl leben und mich ansonsten nur an den Tageszeiten orientieren. Oft klammert man sich im Alltag doch viel zu sehr an die Uhrzeit, dabei ist sie doch auch nur eine Zahl.
 Wie verbringe ich diese Tage dann?
Für mich steht fest, dass ich in dieser besinnlichen Zeit viel meditiere. Außerdem möchte ich mich mehr meiner kreativen Ader widmen, die im Alltag leider doch öfters etwas kurz kommt.
Natürlich gibt es auch einige Rituale, die ich ausprobieren möchte. Dazu gehört ganz klar das Räuchern, das quasi DAS Ritual der Rauhnächte schlechthin ist. Ich weiß noch gar nicht, wie ich das angehe, ich habe sowas noch nie gemacht, aber werde mich jetzt am Wochenende mal mehr damit beschäftigen. Daneben möchte ich auch ein bisschen orakeln. Ich glaube zwar nicht direkt daran, aber ich finde es sehr interessant. Brot backen werde ich natürlich auch - das habe ich wirklich ewig nicht getan. Dabei schmeckt selbst gebackenes Brot doch am besten.
Damit ich die Gedanken, Ideen, Eindrücke und Gefühle, die mir in diesen magischen Tagen widerfahren, festhalten kann, habe ich mir ein kleines Heft mit blanko Seiten als Tagebuch gekauft. Ich denke, dass ich neben der Schrift auch einige Skizzen et cetera machen werde.
Es gibt noch einiges vorzubereiten und zu erledigen. Denn natürlich möchte ich auch - soweit als Studentin möglich - keine unerledigten Aufgaben mit ins neue Jahr nehmen. Die Weihnachtstage sollen mir eine kleine Auszeit mitten im Semester bieten, bevor ich im Januar für meine erste Klausur beginne zu lernen. Das bedeutet damit aber natürlich auch, dass es jetzt viel zu tun gibt.
Ich werde auf jeden Fall von meinen Vorbereitungen berichten.
Ich freue mich so auf die besinnlichen Tage zwischen den Jahren!

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