Sonntag, 19. April 2015

Ein minimalistischeres halbes Jahr

Guten Abend, meine lieben Leser!
Heute möchte ich euch von einem minimalistischeren halben Jahr erzählen. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an die -30 im September-Challenge, bei der ich mitgemacht habe. Das ist jetzt über ein halbes Jahr her.
 Ich denke, dass jetzt der Zeitpunkt ist, an dem ich etwas zurückblicken und ein Zwischenfazit ziehen möchte.

Insgesamt kann ich erst einmal sagen, dass ich weniger und bedachter kaufe. Klar, wenn man in die erste eigene Wohnung ziehen darf, gibt es einiges, das gekauft werden muss. Und so durften Oktober und November noch sehr sehr viele Dinge bei mir einziehen. Aber das hat auch wieder nachgelassen und mittlerweile habe ich fast alles, was ich brauche. Nur die ein oder andere Sache fehlt vielleicht noch.
Generell ist es aber von Vorteil etwas, das man haben möchte, nicht direkt zu kaufen, sondern erst einmal etwas zu abzuwarten. Sehr oft merke ich dann, dass ich es eigentlich gar nicht brauche oder nicht mehr haben möchte.
Ich muss ehrlich sagen, dass das, was mich neben dem Minimalismusgedanken vor allem oft vom Kaufen abhält, das Geld ist. Ich weiß, dass, wenn ich mich nicht öfters davon abhalte, irgendetwas zu kaufen, was gar nicht notwendig ist, die Zahl auf den Kontoauszügen immer kleiner und kleiner wird. Auf der anderen Seite habe ich es mir natürlich auch selbst so ausgesucht. Ich könnte ja auch einfach neben meinem Studium arbeiten gehen.
Aber im Grunde arbeite ich dann ja nur, um mir Sachen zu kaufen, die ich mir sonst halt nicht kaufen würde, also gar nicht benötige. Daher habe ich mich entschieden, mich der Herausforderung zu stellen, mit weniger auszukommen.
(Es ist wirklich seltsam über Geld zu schreiben. Ist es nicht ironisch, das genau das, was offenbar für viele Menschen einen ziemlich hohen Stellenwert hat, so ein Tabuthema ist?)

Ich denke aber auch, dass Minimalismus nicht nur das Konsumverhalten beinhaltet, sondern sich auch auf viele andere Bereiche des Lebens bezieht. Ich möchte den Fokus auf das legen, was mir viel bedeutet und nichtige Dinge loslassen. Ich möchte die ausgewählten Dinge, die ich tue, bewusst tun.
Was sich bei mir in der Hinsicht total geändert hat, ist auch mein Verhalten dem Internet gegenüber. Früher habe ich mich ziemlich hineinziehen lassen in die bunte Welt von Blogs, Youtube und und und. Heute verbringe ich immer weniger Zeit in dieser virtuellen Welt. Natürlich lese ich weiterhin einige Blogs sehr gerne und sehe mir Youtubevideos, aber viel ausgewählter und weniger ziellos. Heute wäre mir meine Zeit viel zu kostbar um wieder so viel davon wie früher vor dem Laptop zu verbringen. An sehr vielen Tagen mache ich ihn gar nicht erst an. Das hat zwar leider auch als negative Folge, dass ich wesentlich weniegr blogge und eine Weile lang fast überhaupt nicht geschrieben habe, aber ich denke, dass ich so langsam mit neuer Energie und Inspiration wieder beginnen kann.

Als ich vor einem guten halben Jahr ausgemistet habe, habe ich mich von vielen Gegenständen, die nun wirklich jegliche Nützlichkeit für mich verloren hatten, getrennt. Es war sehr angenehm, wesentlich leichter in die neue Wohnung umzuziehen.
Doch auch jetzt merke ich, dass ich immer noch zu viel habe. Meine Schränke sind echt viel zu voll und Sachen, die ich regelmäßig benutze liegen deshalb meistens einfach nur irgendwo herum. Ich habe mich deshalb heute entschieden, in nächster Zeit meine Wohnung Stück für Stück noch einmal auszumisten. Den Impuls dafür gab mir der Satz:

"Alles, was du besitzt, besitzt irgendwann dich"

Zunächst fand ich,dass er zeimlich dahingesagt, klingt, aber dann habe ich einmal wirklich darüber nachgedacht, wie viel Energie und Zeit ich in die Sachen investiere, die ich regelmäßig benutze, indem ich sie immer wieder aufräume, in Ordnung halte, sucht und so weiter. Ich habe daran gedacht, wie viel von meinem Stauraum ich dagegen für Dinge opfere, die ich seit ich sie dort hingetan habe, nicht einmal angeguckt habe.
Ich habe auch den Eindruck, dass viele Leute vom Konsum besessen sind. Das sie sich versuchen, glücklich zu machen, indem sie etwas kaufen. Eigentlich ist das auch nicht überraschend, wenn man bedenkt, wie sehr man mit Werbung zugeschüttet wird und immer wieder fast schon zum Konsumieren gedrängt wird. Man lernt von klein auf, das man etwas, dass man toll findet, auch besitzen möchte.
Dazu hat mir Mojo Di einen Impuls für eine interessante neue Sichtweise darauf gegeben. Sie nimmt an einem derzeitigen Projekt auf Youtube (The Minimalism Game) teil, bei dem es darum geht, einen Monat lang auszumisten, und sich jeden Tag von einer Sache mehr zu trennen als am Vortag.
Sie meinte jedenfalls bei einem Büchlein, dass es ihr wirklich gut gefallen hat und ihre Mutter und sie viel zu lachen hatten beim Lesen, und, dass sie deshalb möchte, dass es nicht bei ihr bleibt, sondern noch andere Leute erfreuen kann.
Ich finde diese Sichtweise wirklich total inspirierend, weil sie das genaue Gegenteil des beschriebenen Besitzgedankens ist. Was bringt einem denn der bloße Besitz eines Gegenstandes? Wozu möchten wir alles, was uns gefällt besitzen? Und besitzt es nicht am Ende uns?

Spontan habe ich heute direkt schon mein kleines Projekt begonen und heute erstmal einen Großteil der Küche durchgeguckt und ausgemistet. Tatsächlich hat sich wenig angesammelt, das ich nicht brauche, aber ein paar Sachen waren es eben schon. Und gerade in der Küche hat mich mein Kram schon ziemlich beherrscht, weil ich meist einen Großteil der Arbeitsplatte, die ich normalerweise zur freien Verfügung hätte, meist zustehen habe. Was mich am meisten freut ist, dass ich meine Besteckkasten so umräumen konnte, dass er nun nicht mehr auf der Arbeitsplatte neben der Spüle steht. Dort ist jetzt Platz für ein Geschirrtuch, sodass ich mehr Sachen trocknen lassen kann. An der Stelle wurde ich noch sehr von meinen Besitztümern beherrscht. Bisher war spülen schon fast mehr Herumräumen als irgendwas sonst. Jetzt habe ich genug Platz.

Ich lege mich mal schlafen - es ist ja schon halb zwölf - und wünsche euch auch noch eine gute Nacht! :3

Kommentare:

  1. Herzlichen Glückwunsch zu deinem Erfolg! Ich verstehe, was du meinst: warum ich arbeiten soll, um mir dann Dinge zu kaufen, die ich eh nicht brauche - das habe ich mich auch schon oft gefragt. Wozu Geld anhäufen, wenn man morgen schon tot sein könnte. Doch hier trifft wieder ein Spruch zu, der in der letzten Zeit zu meinem Motto geworden ist: "Collect moments, not things". Momente sammeln - das verbinde ich wiederum mit Reisen und mit Musik-Festivals, die ich mit Freunden verbringe. Dazu brauche ich wieder Geld. Aber ich merke auch, dass ich weniger Geld benötige, seit ich mich mehr mit meinem Konsumverhalten auseinandersetze. Ich fühle mich zunehmend wohl damit und hoffe, mich in dieser Richtung noch weiterzuentwickeln. Auch Ausgemistet habe ich viel in letzter Zeit. Manchmal habe ich mir gewünscht, irgendwie alles einfach wegzuwerfen um neu zu beginnen. Mein ganzer Kram "besitzt mich" tatsächlich, wie du auch sagst. Auch hier ist noch kein Ende in Sicht. Aber Stück für Stück werde ich leichter, im wahrsten Sinne. Ich möchte dir an dieser Stelle danken, denn unter anderem hast du mich sher zum Minimalismus inspiriert. Dass dieser aber nicht bei Besitz und Geld endet, muss auch noch zu mir durchdringen. Du hast ja soooo recht was die Zeit vor dem Computer anbelangt, die ist bei mir auch viel zu hoch. Das Ding erst gar nicht anzumachen ist tatsächlich sehr wirkungsvoll.

    Ich wünsche dir einen schönen Start in die Woche :)
    Liebste Grüße
    Jacy

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  2. Ein wirklich wunderschöner Text! Das Konzept des Besitzens beschäftigt mich auch immer wieder. Ich glaube, ein wichtiger Aspekt der Thematik ist auch das Teilen. Diese Leute, die - wie du schreibst - "vom Konsum besessen sind" haben leider wohl nicht gelernt, zu teilen. Dabei ist die Fähigkeit meiner Ansicht nach so wichtig! Deswegen finde ich auch die Idee von Mojo Di, das Büchlein weiterzugeben, richtig toll. Da geht es nämlich genau auch ums teilen! Was nützt es einem, etwas zu besitzen, von dem niemand anderer etwas weiss. Geteilte Freude ist doch viel mehr wert!

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    1. Ich finde, dass völlig Recht hast! Ich glaube, teilen ist keine von den Sachen, denen in unserer Gesellschaft großer Wert beigemessen wird - leider...

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